TANZ 41 - spukhafte Fernwirkung 
spukhafte Fernwirkung
Eine Produktion von Paolo Baccarani & Eva Müller

Sa 13.12.2014 + So 14.12.2014
Haus Vier und Einzig - Hallerstraße 41 - Innsbruck

Videodokument der Performance
Kamera+Schnitt: MLaden Delic
Länge: 11 Min

"Die Verschränkung ist der interessanteste Aspekt der Quanteninformation, sie wurde von Albert Einstein spukhafte Fernwirkung genannt. Für zwei verschränkte Systeme gilt, dass keines der Systeme für sich genommen einen definierten Zustand hat, sondern nur das aus beiden Systemen zusammengesetzte Gesamtsystem. Dies gilt auch dann, wenn die beiden Teilsysteme nicht (mehr) miteinander wechselwirken und beliebig weit voneinander entfernt sind."

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In dem Tanzprojekt spukhafte Fernwirkung werden PerformerInnen aus unterschiedlichen Tanzstilen wie Tango, Flamenco, Contemporary Dance, Inclusive Dance und Ballett zusammengebracht und ihr output in einem künstlerischen Kontext miteinander verwoben. Jeder Tanzstil ist ein eigenes System, hat seine eigene Tradition, seinen spezifische Umgang mit Geschlechterrollen, seine Werte und Regeln, seine Codes und seine politische Struktur innerhalb der Gruppe.

Diese Tanzstile sind Abbilder kleinerer oder größerer Systeme, die sich permanent organisieren, wandeln und nach außen ihre Identität repräsentieren. Die Grenzen zwischen den Tanzstilen sind klar definiert. Auch in der Verbindung zum Gegenüber werden die Unterschiede und die eigenen Merkmale gefunden, bleiben aber nicht unbeeinflusst voneinander. Metaphorisch gesprochen bedeutet das: beide Systeme - auch wenn sie sich dessen nicht bewusst sind - beeinflussen sich gegenseitig und definieren sich über die Grenzen und die Identität des anderen. Oder, um die Psychoanalyse zu zitieren: ohne Ich kein Du und umgekehrt.

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Was passiert, wenn diese Grenzen aber gestört werden? Wenn jemand oder etwas dieses System durcheinanderbringt? Welche körperlichen Reaktionen treten bei welchem tänzerischen Hintergrund auf? Wie geht eine PerformerIn mit einer starken Störung um? Kann sie auf ihren eigenen tänzerischen Hintergrund als Ressource zurückgreifen? Wie flexibel oder starr sind die einzelnen Tanzstile - und im übertragenem Sinne alle Systeme - wenn sie mit Fremdeinwirkung konfrontiert werden? Und ist es möglich, trotz Fremdeinwirkung Flexibilität und Stabilität im System zu erhalten?

Die Performance lässt unterschiedliche Tanzsysteme miteinander interagieren, gleichzeitig kann sie auch als Metapher für unsere sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systeme und deren Grenzen verstanden werden. Im "System Europa" wird das Eindringen, Bedrängen von "Außen" sowie auch das Ausdehnen der Grenzen oft als Störung empfunden. (Das System erhält aber unter anderem auch seine Definition und Identität dadurch, was an und über seine Grenzen hinaus geschieht).

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In spukhafte Fernwirkung werden die PerformerInnen an ihren gewohnten Grenzen rütteln und auf Störungen, ungewohnte Situationen und neue Ausgangspunkte reagieren. Ein reicher, bunter, humorvoller, unterhaltsamer, aber auch berührender und verwirrender Fundus an Tanzszenen wird gezeigt, das dem Publikum den Reichtum und die Vielfalt der unterschiedlichen Tänze vermittelt und es gleichzeitig mit der Auseinandersetzung von Grenzen, Ängsten und eingefahrenen Mustern konfrontiert.

spacer.gif Künstlerisches Konzept, Inszenierung, Choreografische Leitung:
in enger Zusammenarbeit mit den PerformerInnen
spacer.gif Contemporary Dance & Ballett:
Tango:
Flamenco:
Inclusive Dance: spacer.gif Musikkomposition und Live-Begleitung:
Video-Installation:
Omurkul Borubaev

zusätzliche PerformerInnen im Video:
Edith Lorenz
Martin Franzmair

Licht und Technik:
Didi Scherz

Bühnenbild:
Matthias Hirschhuber

Produktion und Presse:
Claudia Moser
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Herzlichen Dank an Daniela Weiss-Schletterer und Johannes Weiss (Vier und Einzig) und Ewald Gotthardt (Theater InnStanz) sowie an den Verein Tanz41, Mark Grünberg (in the headroom) und Stefan Becker.

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